{"id":618,"date":"2014-12-09T16:36:11","date_gmt":"2014-12-09T14:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brignogan-blog.com\/?p=618"},"modified":"2015-01-02T12:41:59","modified_gmt":"2015-01-02T10:41:59","slug":"der-buergerliche-traum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/?p=618&lang=de","title":{"rendered":"Der b\u00fcrgerliche Traum"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">Der Unterschied in der K\u00fcche oder auch anderswo &#8211;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Von Jean-Fran\u00e7ois de Troy (1679 \u2013 1752) stammt das wahrscheinlich 1734 oder 35 gemalte Bild, dem man den Titel<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> \u00ab Austernfr\u00fchst\u00fcck \u00bb gegeben hat. <a href=\"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Troy_Jean-Fran\u00e7ois_de_-_Die_Austernmahlzeit_-_1734.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-616 size-medium\" src=\"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Troy_Jean-Fran\u00e7ois_de_-_Die_Austernmahlzeit_-_1734-212x300.jpg\" alt=\"Troy, Jean-Fran\u00e7ois de - Die Austernmahlzeit - 1734\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Troy_Jean-Fran\u00e7ois_de_-_Die_Austernmahlzeit_-_1734-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Troy_Jean-Fran\u00e7ois_de_-_Die_Austernmahlzeit_-_1734-723x1024.jpg 723w, https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Troy_Jean-Fran\u00e7ois_de_-_Die_Austernmahlzeit_-_1734-250x353.jpg 250w, https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Troy_Jean-Fran\u00e7ois_de_-_Die_Austernmahlzeit_-_1734.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Wir befinden uns in der Amtszeit Ludwig XV, dem Urenkel des Sonnenk\u00f6nigs, Ludwig XIV (1710 \u2013 1774). Im zarten Alter \u00fcbernahm dieser 1715 von seinem Uropa die franz\u00f6sische Erbschaft. Ein in mehrerlei Hinsicht interessantes Gem\u00e4lde &#8211; Champagner und Austern: was seit dem gerade vergangenen 17. Jahrhundert das eben dort entdeckte Prinzip der Flascheng\u00e4rung betrifft, aber auch den Verzehr der Meeresfr\u00fcchte, die fr\u00fcher mal ganz billiges Lebensmittel aus dem Meer f\u00fcr die armen Schweine der K\u00fcste und gleichzeitig hoher Luxus f\u00fcr die M\u00e4chtigen, die seit der Antike \u2013 auch weit ab von der K\u00fcste \u2013 gar nicht genug davon bekommen konnten. Und gleichzeitig ein Spiegel gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen, wo mittlerweile der Adel sich von absolutistischer Macht emanzipieren konnte und seinerseits nach Herzenslust sich aneignen konnte, wonach es ihm stand.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Die Tischsitten sind locker und der Eindruck ist der, dass hier M\u00e4chtige sich ihrer absolut sicher sind. Die Austern an den Versailler Hof zu schaffen muss damals schon nicht ganz unkompliziert gewesen sein; in einer Zeit, wo das gemeine Volk eher gar nix zu knabbern hatte. Auch wenn die Aufst\u00e4nde der Bourgeoisie noch kommen, bereitet sich hier der Machtanspruch derselben vor; es lebe der Konsum, koste es was es wolle.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> In Frankreich und auch anderswo gelten in der Weihnachtszeit Austern und Champagner als Inbegriff kulinarischen Gl\u00fccks \u2013 wir sehen mal von der ungl\u00fcckseligen Stopfleber ganz ab, weil es ziemlich schwierig ist, nicht zu verstehen und einzusehen, das, Tieren Schmerzen zuzuf\u00fcgen, damit das Geschmackserlebnis gr\u00f6\u00dfer wird, so ziemlich mit das D\u00fcmmste ist, was vorstellbar ist.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Nein, bei der Stopfleber k\u00f6nnte die Bourgeoisie locker noch mit sich selbst in Reine kommen. Was be<a href=\"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/image036.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-621 size-medium\" src=\"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/image036-300x225.jpg\" alt=\"image036\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/image036-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/image036-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/image036-250x187.jpg 250w, https:\/\/www.brignogan-blog.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/image036.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>i Austern und Champagner sich sicherlich noch anders verh\u00e4lt. Aber erst recht bei allem Sonstigen. Anbei ein Motiv der nicht nur in Frankreich zu findenden kleinen Feinkostl\u00e4den &#8211; rund 10 Jahre alt &#8211; doch so oder \u00e4hnlich auch heute noch existent.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Was ist dabei das Problem? Man sagt, dass guter Geschmack, gute Lebensmittel nun mal ihren Preis haben m\u00fcssen. Und man sagt auch schlimmstenfalls, wer nicht arbeitet, auch nicht essen soll.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Nun ist die Realit\u00e4t aber die, dass selbst, wenn man arbeitet, es noch lange nicht zum Essen reicht, und erschwerend hinzukommt, dass es zum Beispiel gar keine Arbeit mehr gibt. Woher zum Teufel soll das ganze Geld kommen, von dem man sich all die sch\u00f6nen Sachen nur kaufen kann, wenn man es hat.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Es sollte sich herumgesprochen haben, dass leider recht wahrscheinlich ist, dass man nie in die Lage kommt, sich das alles zu leisten, selbst wenn man sich noch so anstrengt. Der b\u00fcrgerliche Traum, einmal im Leben das im Munde zusammengekommene Wasser mit all den schmackhaften Sachen herunter schlucken zu k\u00f6nnen, erweist sich immer \u00f6fter als Seifenblase. Schl\u00fcrfen, schmecken, schlucken, kauen \u2013 f\u00fcr viele nichts als ein Traum, der nie in Erf\u00fcllung gehen wird.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Auch wenn in den neunziger Jahren als Folge des un\u00fcbersehbaren Chaos in den L\u00e4ndern der damaligen Sowjetunion pl\u00f6tzlich auch bei ALDI in Deutschland Kaviar in kleinen Dosen verkauft wurde, \u00e4ndert ein solcher Verlauf der Geschichte rein gar nichts daran, dass gute Lebensmittel und nicht nur Luxusg\u00fcter nur gegen Cash zu haben sind.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Nichts aber auch gar nichts ist so AFFIRMATIV wie die Begeisterung f\u00fcr Hohek\u00fcche, edle Gen\u00fcsse, den sprichw\u00f6rtlichen guten Geschmack, weil die, die all das sich leisten k\u00f6nnen, gar kein Interesse daran haben, dass sich das \u00e4ndert.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\"> Wie viel leichter ist es da, die, die da den Fleisch-Sonderposten zu 1,99 konsumieren, f\u00fcr ihr eigenes Dilemma selbst verantwortlich zu machen. Sie seien selbst schuld, wenn sie Dreck statt Lebensmittel bekommen. Der b\u00fcrgerliche Traum w\u00e4re der, das eines Tages sich der M\u00fche Qual rechnen werden wird, sich angestrengt zu haben, ordentlich und arbeitsam gewesen zu sein, dem b\u00fcrgerlichen Staat ein anst\u00e4ndiger Citoyen gewesen zu sein \u2013 die nackte Wahrheit ist anders; nie wird man durch b\u00fcrgerliche Lohnarbeit auch nur irgendwas dergleichen erreichen \u2013 gestern, heute und auch morgen nicht.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Unterschied in der K\u00fcche oder auch anderswo &#8211; Von Jean-Fran\u00e7ois de Troy (1679 \u2013 1752) stammt das wahrscheinlich 1734&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-public-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=618"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":626,"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618\/revisions\/626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brignogan-blog.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}